slow Uhren – Entschleunigung als Kern einer UhrenmarkeDonnerstag, 6. Oktober 2016

Slow Watches Slow Uhren

„Es ist an der Zeit, über Zeit anders nachzudenken“. Mit diesen Worten beginnt die Markenstory von slow Uhren, so wie sie auf der Website des Anbieters von Einzeiger-Uhren aus Schweizer Produktion zu lesen ist.

Mit Visual Storytelling und einer klaren Positionierung tritt das Unternehmen aus Hamburg an, sich im Uhrenmarkt zu etablieren – ein Markt, der von großen Lifestyle-Konzernen wie Swatch oder Richemont auf der einen Seite und von Smartwatch-Anbietern wie Samsung oder Apple auf der anderen Seite dominiert wird.

In ihrer Nische sind Corvin Lask und Christopher Nörskau von slow Uhren erfolgreich unterwegs. Eine große Rolle bei der Positionierung spielt natürlich die Markenstory und wie sie über Content Marketing kommuniziert wird.

Auf der Content World Konferenz berichtet Chris Nörskau über eben diese Marken-Story. Vorab konnten wir uns mit ihm darüber unterhalten, wie man die Emotionalität eines Uhrenkaufs rein über Online-Kanäle vermitteln kann und welche Tipps er für Anbieter hat, die sich im E-Commerce etablieren möchten.

Chris Nörskau, einer der beiden Gründer von slow Uhren

Chris Nörskau, einer der beiden Gründer von slow Uhren

Chris Nörskau, Ihre Brand-Story handelt von Entschleunigung, von einem bewussteren Umgang mit der Zeit. Wie passt diese Story in die schnelllebige Welt von heute mit ihren Smartwatches und Wearables ?

Chris Nörskau: „Es ging uns genau darum, diesen Kontrapunkt zu setzen. Wir finden, dass die Hochtechnologie einen viel zu schnell macht und viel zu viel Ablenkung bietet. Man ist gedanklich nie im Moment. Man hetzt von einem Meeting zum nächsten, von einer Nachricht zur nächsten, von einer Information zur nächsten, die gerade wieder über einen der vielen Channels hereingepoppt kommt.

Wir wollten ein sehr traditionell gefertigtes Produkt anbieten, Low-Tech, eine Uhr, die nichts anderes kann als die Zeit anzuzeigen – und das auf eine sehr reduzierte Art und Weise mit einem einzigen Zeiger. Wir wollten, dass einen dies immer wieder daran erinnert, sich in den Moment zurückzubewegen und sich nicht von den externen, sehr schnellen Technologiefaktoren stressen zu lassen. Wir finden, dass so ein Produkt gerade gut in die Zeit passt.


Es gibt kaum einen „normalen“ Menschen, der noch mehr Technologie möchte, noch zwei weitere Telefone und noch eine Smartwatch, die dann auch nochmal piept! Den Menschen, mit denen wir uns unterhalten, ist das zu viel Information. Sie hätten gern ein einfacheres, langsameres Leben.

Wir bezeichnen uns selber als Unternehmen auch als „Slow“. Wir wertschätzen die Zeit in allem, was wir tun. Es muss nicht sein, dass ich etwas bis zum Maximum optimiere und Prozesse, die vorher 10 Minuten gedauert hat, jetzt nur noch 8 Minuten dauern lasse. Wir wollen die Balance, die die Marke darstellt, auch im täglichen Arbeitsleben umsetzen – bei uns selbst, bei unseren Mitarbeitern, aber auch bei Partnern und Suppliern. Es ist uns wichtig, achtsam und respektvoll mit diesen Menschen umzugehen.

Wir gehen so mit den Leuten um, als ob sie unsere Freunde sind – und tatsächlich sind viele unsere Freunde geworden. Das erhöht wiederum den Wert der Arbeitszeit, die wir in unser Unternehmen hineinstecken.“

 

Wie vermitteln Sie Ihre Brand-Story? Welche Kanäle sind dabei am wichtigsten?

Chris Nörskau: „Wir sind total online-orientiert. Das Hauptziel ist es, die Kunden auf unsere Website zu bewegen. Dort können wir die Marke sehr ganzheitlich darstellen, mit emotionalisierenden Videos, mit Geschichten von uns persönlich, mit Blogbeiträgen, mit sehr vielen Fotos und Texten, User-Meinungen. Das ist das Hauptziel. Die anderen Kanäle von Facebook über Instagram bis Google Ads sind Vehikel, um Traffic auf unsere Seite zu bringen.“

 

Sie vertreiben Ihre Uhren über einen Online-Shop. Wie bringen Sie die Emotionalität des Produktes „Uhr“ rüber, auch wenn Ihr Zielpublikum die Uhr nicht haptisch erfahren kann?

Chris Nörskau: „Die Markenwelt, die wir auf unserem Webshop bieten, ist sehr viel mehr, als was ich in einem normalen Uhrenladen erfahre. Dort habe ich in der Regel ein Display mit einem Foto dahinter, mit 20, 30, 40 Uhren drum herum. Dort habe ich, außer der Uhr selber, keine Markenwelt und keine Emotionalisierung. Wir können durch Videos, sehr viele Details und viel Fotografie die Uhren sehr viel mehr emotionalisieren als das in einem klassischen Uhrenladen möglich ist.

Wise words. #theslowwatch #swissmade #enjoylife #wisdom

Ein von slow Jo (@theslowwatch) gepostetes Foto am


Es dauert dann zwar ein oder zwei Tage, bis der Kunde die Uhr haptisch erleben kann, aber diese Zeitdauer ist unserer Meinung nach nicht kritisch. Wir merken, dass die Leute durch die Marke sehr emotionalisiert sind. Sie sind sehr positiv überrascht von der guten Qualität des Produktes, aber sie verbinden auch sehr persönlich etwas mit der Markengeschichte.

Wir haben Pop-Up Stores angedacht, aber wieder verworfen, denn über die Online-Kanäle erreichen wir KPIs, die wir offline nur schwer erzielen können.“

 

Was wären Ihre Tipps an andere E-Commerce Anbieter, die vielleicht auch überlegen, über Content Marketing auf sich aufmerksam zu machen?

Chris Nörskau: „Erstmal weniger machen! Der typische E-Commerce Anbieter macht oft zu viel und ist daher auch oft profillos. Man muss sich auf eine Sache fokussieren und darf auch nicht zu gierig sein. Wir bekommen oft Anfragen, ob wir nicht noch weitere Produkte unter der Marke anbieten möchten. Wir finden es jedoch viel mehr „sexy“, eine Uhrenmarke zu sein, die nur Uhren macht.

Die Story ist dann konsequenter zu erzählen, als wenn ich sehr viele unterschiedliche Produktkategorien habe. Vor dem allerersten Gedanken an das Produkt sollte man schon die Markenstory parat haben und sich dann überlegen, wie man diese Markenstory und diese Werte konsequent auf ein Produkt transferiert.“

 

Nehmen Sie sich die Zeit und erleben Sie Chris Nörskau persönlich auf der Content World Konferenz in Frankfurt, 17.-18. Oktober 2016. Hier finden Sie alle Infos und den Link zur Online-Anmeldung.

 

Johannes Kahl
About the Author

Johannes F. Kahl ist Senior-Projektleiter bei Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er ist u.a. verantwortlich für die Content World Konferenz und die Jahrestagung Digital Marketing. Nach einer Ausbildung bei der FAZ hat Johannes verschiedene Positionen im PR- und Marketing-Sektor inne gehabt.

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